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Zuerst erlerne ich die vollständige Bilokation. Die kann man bestimmt mehrfach anwenden, und erhält Vielfache von zwei.
Dann teile ich mich in vier gleich große Teile. Den einen Teil schicke ich auf die Arbeit, der kann dem aktuellen Tagesgeschehen nachgehen.
Der zweite Teil bleibt zu Hause und kümmert sich um die Reste vom Party-Marathon. Vier Tage lang feiern geht auch an unserem Haus und Garten nicht spurlos vorbei. Aufräumen, Geschirr spülen, viel Geschirr, Müll machen, saugen, wischen, Geschenke wegräumen.
Der dritte Teil hat es nicht ganz so schwer. Der muss nur die Arbeit tun, die gestern liegengeblieben ist. Vier Maschine Wäsche. Waschen, Trocknen, Wegräumen. Die Sonne scheint, also nicht mal bügeln. Und zwischendurch etwas im Garten arbeiten. Das Beet Nummer vier herrichten, und Erbsen sähen zum Beispiel. Geranien kaufen.
Und der vierte Teil, der erholt sich mal schön vom Wochenende. Der geht ins Freibad, wenn die Kinder in der Schule sind. Liest ein Buch oder zwei, schwimmt ein Paar Bahnen, und besorgt endlich mal Sonnenmilch.
Und heute Mittag treffen sich alle vier Teile zum Essen. Danach kann einer mit dem Kleinen zum Schwimmen, einer bleibt beim Mittleren bei den Hausaufgaben, einer geht mit der Großen einkaufen, und einer kann noch mal Pause machen.
Morgen schaffe ich dann wieder alleine.
Letzte Woche fand ich ein angefangenes Glas Apfelmus im Schrank. Vor langer Zeit angefangen, offensichtlich, denn grau bepelzt.
Ich schob es auf etwaige Überarbeitung und meine Schuld, und dachte an nichts Böses.
Heute jedoch fand ich den Ziegenkäse, den ich morgens auf mein Frühstücksbrot geschmiert hatte, mittags im Gewürzregal.
Ganz klar. Da sind fremde Mächte im Spiel.
PS: Der Hund kann es nicht gewesen sein. Der hätte nicht daran gedacht, die Küchentür hinter sich zu zu machen (zuzumachen?).
Er: Kuck mal, RückfahrKAMERA! Radio mit USB! Navi mit touch!
Sie: Kuck mal, die Lücke zwischen Gangschaltung und Handbremse passt genau für meine Handtasche.
Freitags habe ich frei. Zeit für den Einkauf, Zeit zum Putzen, Zeit, die Kinder zum Aufräumen zu ermuntern, und um ein Kind zum Sport zu bringen.
Es sei denn, ich arbeite doch mal. Dann ist mittags noch nicht eingekauft, dann flatter noch keine frisch gewaschene Wäsche im Wind.
Dann haut der Nachmittag sich mir um die Ohren. Kochen peng Essen peng Hausaufgaben peng Hundrunde peng ein Kind zum Kindergeburtstag peng. Einkaufen, aber mit vergessenem Zettel, also unbefriedigend. Peng. Hosen kaufen, ungeliebt, aber unausweichlich, peng ein Kind zum Sport bringen, Einkaufszettel schreiben. Ungefähr vierzig Minuten, bis ich wieder los muss. Dann wieder peng peng peng. Kind abholen, Abendessen, Hunderunde,Kinder ins Bett bringen, Wäsche machen.
Dann habe ich den ganzen abend Zeit, mich zu grämen, dass ich nichts beschickt habe.
Win (1): Das braune neue Seidenkleid muss nicht bis Freitag abend fertig werden.
Win (2): Meine Schwiegermutter muss nicht die Last des Baysittens auf sich nehmen.
Win(3): Im Gegenzug erspart sich mein Mann die Last eines Schwiegermutterbesuchs.
Und trotzdem finde ich, es wäre schöner, wenn wir zusammen ausgehen würden, anstatt dass einer von uns alleine nach Taiwan fliegt.
Oh. Ein freier Nachmittag wie schön. Endlich mal Zeit in den Baumarkt zu fahren, Leisten für Kinder-Garten-Kistchen kaufen, und weiße Blümchen. Und bügeln, und vorbacken, und heute mal hektisch sein, und Termine machen. und natürlich entspannen, die Sonne genießen und alles fertig haben.
Und vor lauter Dingen, die ich tun könnte, mache ich sicherheitshalber erst mal nichts, ich kann mich nicht entscheiden.
Bis ein Stimmchen erschallte: Die Pizza ist wieder rausgekommen.
Jetzt tue ich auch wieder nichts. Jetzt ist mir nämlich schlecht.
Was für ein Glück, dass ich mich nicht für was entscheiden brauchte.
1. Dezember
Ich hole mein Kind aus dem Kindergarten ab, wir gehen Hand in Hand, es tobt vor Wut. Ich bin echt sauer, dass ich nicht die goldene Nuss gezogen hab!, und kneift mich herzhaft in die rechte Hand. Er grummelt unverständlich, wir gehen ein paar Meter weiter….Ich bin echt traurig, dass ich nicht die goldene Nuss gezogen habe. Und kneif mich herzhaft in die rechte Hand. “Morgen”, denk ich, “Morgen geb ich dir die linke!”
2. Dezember
Ich hole mein Kind aus dem Kindergarten ab.
Nur noch viermal schlafen, dann ist das, das ich nicht kenne.
Ja, dann ist Nikolaus.
Und dann müssen wir nur noch zweimal schlafen, dann ist Weihnachten.
Nein, tut mir leid, dann müssen wir noch achtzehnmal schlafen, und es ist Weihnachten.
Nein zweimal!
Achtzehnmal. Deine beiden Hände voll, und von mir nur noch acht Finger.
Dann bin ich nicht mehr dein allerbester Sohn.
Dieses Jahr geht es mir wohl wie den Kindern. Die Zeit bis Weihnachten will und will nicht vergehen.
Es ist samstag Abend. Im Fernsehen beginnt eine Tatortwiederholung.
Ich (ganz aufgeregt): Das ist der mit den schönen Sachen. Wo ich die eine Bluse unbedingt haben wollte!!
Er: Den kenn ich. Den kenn ich. Der ist aus Gier.
Übrigens kommt heute abend wieder so ein Tatort. Diesmal nehme ich ihn auf. Wegen der Klamotten. Und der Gier.


