Im November ist ja gerne mal Buß und Bettag gewesen. Willkomener, evangelischer Feiertag, also ohne irgendwelche Verpflichtungen. Und darum mit guten Taten überbelegt.

Traditionell wurde am Vortag vom Buß- und Bettag die Chorfreizeit des Schulchores veranstaltet. Ich war -genaugenommen- nicht hauptsächlich wegen des Singens im Chor. Mehr so wegen der Möglichkeit, meinen pubertären Verpflichtungen nachzukommen, nämlich große Jungs anzuhimmeln. Und da war da dieser eine Bass mit den schönen Augen…Da war ich eventuell ein klein bißchen verknallt. Eventuell. Ein bißchen. Zu schade, dass ich zu unmusikalisch bin, um im Alt zu singen, der sitzt näher am Bass.  Die Tenöre, die dichter am Sopran sitzen, waren immer so albern.

Die Chorfreizeit fand bei unserem Chorleiter zu Hause statt und lief nach festen Regeln ab, die unter anderem einen „Puschenzettel“, Vollkorspagetti, und nächtliches Singen auf der Dachterasse beeinhaltete. Zum verstärkten Anschwärmen kam es eigentlich nie, weil die Schwarmziele um die achtzehn waren, und lieber Vergnügungen der Provinzhauptstadt genossen, als den Abend mit Kindern zu verbringen.

Nichts desto trotz wurde gesungen:

Buß und Bettag. Frei und Gelegenheit für Matscherei. Unsere katholische Mädchengruppe (Eieiei. Wenn man bedenkt, wie ich sozialisiert bin, dann bekommt mein Verhältnis zum hiesigen Geistlichen aber ein ganz anderes Gewicht), trug einen Stand zum Adventsbasar der Frauengemeinschaft bei. Der Basar bestand aus einem Kuchebuffet, unserm Stand, und einem großen Flohmarkt. Frühere Flüchtliche trennen sich nur ungern von Dingen. Und wenn sie sich von was trennen, dann nur, weil es weg kann. Und weil fast alle frühere Flüchtlinge waren, gabs da also nur Dinge, die wirklich weg konnten.

Aber an unserem Stand gab es selbstgebastelte Weihnachtskarten, fertige ewige Adventskränze und Pralinen. Die wurdenbei uns in der heimischen Küche gefertigt. Es kamen immer mal zwei, drei Mädchengruppenmädchen um Pfefferminztaler und Choco-Crossies zu machen. Das größte Gematsche waren aber Rumtrüffel und Nusstrüffel. Und die machten immer Steffi, Ana und ich an Buß- und Bettag.

Und ich sage euch, je länger das kühle Treppenhaus mit Schüsseln und Blechen voller Pralinen vollstanden, desto öfter musst ich mal die Treppe hoch oder runtergehen.

Advertisements