Seit noch nicht all zu langer Zeit habe wir in der Küche ein Regalbrett für die Kochbücher. Zufällig passte daneben genau der Karton mit der Wolle für das Frühlingsjäckchen und war sehr aufgeräumt. Dann habe ich eine Küchenschürze genäht, und ordentlich draufgelegt. Dann habe ich eine Jogginghose genäht und ordentlich darauf gelegt. Und dann das Joggingkleid, das Geburtstagskleid, ein paar Jäckchenteile, ein paar Schnittmusterteile, und eine Draußentischdecke. Aus völlig unerfindlichen Gründen sah es auf einmal gar nicht mehr so ordentlich aus.

Und jedes Mal, wenn ich auf den Stapel geguckt habe, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Nie kriege ich was fertig, ______________ (hier Näh-Blogger deiner Wahl einfügen) ist viel produktiver als ich.

Aber gestern dann, da hatte ich mal einen anderen Gedanken.

Nachdem ich -Moment, kurz Luft holen- arbeiten war, tanken, Hausaufgaben betreut habe,  die Spülmaschine ausgeräumt und wieder eingeräumt, gekocht und gegessen hatte, mit dem Hund gegangen war, und mit dem Waschmaschineninstallateur telefoniert hatte, da also hatte ich zehn Minuten Zeit, bevor ich -nochmal Luft holen- die Tochter vom Klavierunterricht abholen, dem Installateur treffen, die Tochter zum Sport bringen, selbst zu Sport gehen, den Verband des Mannes wechseln und zur Pfarrgemeinderatssitzung gehen musste.

Ich habe mir dann ein Teil von dem Stapel in der Küche genommen, zehn Minuten ein Bündchen angesteckt, und war hoch zufrieden. Diese zehn Minuten waren das erholsamste am ganzen Nachmittag. Dabei kam mir dann ein schöner Gedanke: Dieser Berg an Arbeit ist keine Drohung oder Mahnung, sondern ein kleines Häufchen Instantfreude.Wann immer mir alles auf den Zeiger geht, kann ich mich hinsetzen und ruhig werden, und irgendwann kommt auch noch was schönes dabei raus!

Genauso wie mein Garten, übrigens. Nicht nur Quell des schlechten Gewissens -schon wieder kein Unkraut gezupft – sondern auch Quell der Freude.

 

Advertisements